Die »Grande Dame« des Sportklettern – Lynn Hill
Kaum eine andere Frau ist im Klettersport so bekannt und wird so für ihre Erfolge geachtet wie sie. Die Kletterethik, mit der sie ihre Routen begeht, war Lynn Hill immer besonders wichtig. Dies spiegelt sich auch in ihren Erstbegehungen wieder.
Sportlich, sportlich.
Ende der 80er Jahre wurde die Detroiterin weltweit bekannt. 1979 kletterte Hill mit 18 Jahren als weltweit erste Frau den Schwierigkeitsgrad 7c (IX) in der Route »Ophir Broke« in Ophir/ Colorado. Seither zählt sie zu den weltbesten Sportkletterern. Lynn wuchs in Kalifornien auf und machte bald durch ihr sportliches Talent auf sich aufmerksam. Mit 14 Jahren begann sie zu klettern und wurde schnell in den Wänden rund um das legendäre »Camp Four« im Yosemite-Nationalpark heimisch.
Zwischen 1986 und 1992 gewann sie über 30 internationale Wettkampf-Titel – allein fünfmal siegte sei beim Rock Master in Arco. Auch außerhalb des Wettkampfgeschehens war sie erfolgreich. 1984 gelang ihr die freie Erstbegehung des »Yellow Crack« (IX) in den Shawangunks/ New York onsight. Mit der ersten Routpunkt-Wiederholung von »Masse Critique« in Cimai/ Frankreich folgte 1991 ein weiterer Meilenstein: als erste Frau kletterte sie den Schwierigkeitsgrad 8b (X).
Eine Route für die Ewigkeit
Nachdem sie 1992 den Wettkampfsport verlassen hatte, wandte sich Lynn Hill wieder stärker dem traditionellen Klettern zu. Es sollte der Höhepunkt ihrer Karriere werden: 1993 schrieb sie Klettergeschichte, als sie die »Nose« am El Capitan im Yosemite als erster Mensch frei kletterte. Und 1994 gelang ihr das erneut – diesmal an einem einzigen Tag. Beide Leistungen blieben über zehn Jahre lang unwiederholt, bis Beth Rodden und Tommy Caldwell 2005 ebenfalls eine freie Begehung für sich verbuchen konnten. Lynn Hill aber ist die »Befreierin der Nose«. Sie lebt in Colorado und gibt auf verschiedene Art und Weise ihr Wissen weiter. So veranstaltet die 48-Jährige Kletter-Camps und kümmert sich um die Erziehung ihres sechsjährigen Sohnes Owen. Klettern ist für sie mehr als eine athletische Herausforderung, für sie ist es »ein Mittel, um sich als Person weiterzuentwickeln, um die Welt verstehen zu lernen und diese Erfahrungen mit anderen zu teilen«.